8. November 2009

"Ohne uns!" Ein Künstler-Manifest aus Hamburg

Passend zu den Informationen zur Stadtentwicklung und -gestaltung veröffentlicht "Die Zeit" Nr. 46 vom 5. November 2009 das Manifest "Not in our name, Marke Hamburg" leicht gekürzt, in dem Künstler gegen die unsoziale Politik vieler Städte protestieren, die Kultur nur noch als Lockmittel für Investoren begreifen. Zu den vielen Hundert Unterzeichnern gehören Musiker, Autoren und Maler.

Hier nur einige Auszüge, die das Anliegen und die Problematik verdeutlichen:

"Ein Gespenst geht um in Europa, seit der US-Ökonom Richard Florida vorgerechnet hat, dass nur Städte prosperieren, in denen sich die "Kreative Klasse`" wohlfühlt... Viele europäische Metropolen konkurrieren heute darum, zum Ansiedlungsgebiet für diese "kreative Klasse" zu werden.
Für Hamburg hat die Konkurrenz der Standorte mittlerweile dazu geführt, dass sich die städtische Politik immer mehr einer "Image-City" unterordnet. Es geht darum, ein bestimmtes Bild von Stadt in die Welt zu setzen: das Bild von der "pulsierenden Metropole", die "ein anregendes Umfeld und beste Chancen für Kulturschaffende aller Couleur" bietet. Eine stadteigene Marketing-Agentur sorgt dafür, dass dieses Bild als "Marke Hamburg" in die Medien eingespeist wird. Sie überschwemmt die Republik mit Broschüren, in denen aus Hamburg ein widerspruchsfreies, sozial befriedetes Fantasialand mit Elbphilharmonie und Tabledance, Blankenese und Schanze, Agenturleben und Künstlerszene wird. Harley-Days auf dem Kiez, Gay-Paraden in St. Georg, Off-Kunst-Spektakel in der Hafencity, Reeperbahn-Festival, Fanmeilen und Cruising Days: Kaum eine Woche vergeht ohne ein touristisches Megaevent, das "markenstärkende Funktion" überehmen soll.

... Wir weigern uns, über diese Stadt in Marketing-Kategorien zu sprechen. ... Wir lassen uns nicht für blöd verkaufen. Wir wollen weder dabei helfen, den Kiez als "bunten, frechen, vielseitigen Stadtteil" zu "positionieren", noch denken wir bei Hamburg an "Wasser, Weltoffenheit, Internationalität" oder was Euch sonst noch an "Erfolgsbausteinen der Marke Hamburg" einfällt....

... Wir haben schon verstanden: Wir, die Musik-, DJ-, Kunst-, Theater- und Film-Leute, die Kleine-geile-Läden-Betreiber und Ein-anderes-Lebensgefühl-Bringer sollen der Kontrapunkt sein zur "Stadt der Tiefgaragen". Wir sollen für Ambiente sorgen, für die Aura und den Freizeitwert, ohne den ein urbaner Standort heute nicht mehr global konkurrenzfähig ist. Wir sind willkommen. Einerseites. Andererseites hat die totale Inwertsetzung des städtischen Raumes zur Folge, dass wir - die wir doch Lockvögel sein sollen - in Scharen abwandern, weil es hier immer weniger bezahlbaren und bespielbaren Platz gibt.

... Wir sagen: Eine Stadt ist keine Marke. Eine Stadt ist auch kein Unternehmen. Eine Stadt ist ein Gemeinwesen.

Comic "Pünktchen und Anton"

Der Künstler Walter Trier (1890 - 1951) hat alle zwölf Kinder-Romane von Erich Kästner illustriert. Seine Titelbilder wie der bekannte Titel von "Emil und die Detektive" erscheinen bereits seit 80 Jahren unverändert und sind allbekannt. Er inspiriert Künstler bis heute - zum Beispiel Isabel Kreitz. Sie hat bereits Kästners Roman "Der 35. Mai" als Comic in der Art von Walter Trier illustriert, wofür sie 2008 mit dem "Max- und Moritz"-Preis ausgezeichnet wurde. Mit "Pünktchen und Anton" ist ihr nun ein weiterer Kästner-Comic gelungen - dabei das Berlin der 20er Jahre als Hintergrund. Nach ihrer Aussage waren dafür eigene Impressionen bei Berlin-Besuchen und historische Fotos die Grundlage. "Hintergründe und Schauplätze beschäftigen mich bei der Umsetzung eines Comics mindestens so sehr wie die Charaktere."
Das bestätigt einen gewissen seit Jahren wachsenden Trend, Berlin als immer populärere Kulisse für gezeichnete Geschichten zu wählen. Das hängt wohl mit den Spuren der Geschichte in Berlin zusammen, die einen interessanten Hintergrund bieten. Der amerikanische Zeichner Jason Lutes hat Berlin "als einen Schlüssel zum Verständnis des 20. Jahrhunderts" bezeichnet.

Das neue Comic-Buch von Isabel Kreitz liegt nun vor mir - ein Geschenk meiner Tochter S., die mein Interesse für Comics kennt und zeitweise fördert.

6. November 2009

Hannah Höch 120. Geburtstag

Foto: E. Jorarro Archiv Johannes Bauersachs

"Ich möchte die festen Grenzen verwischen, die wir Menschen, selbstsicher, um alles uns Erreichbare zu ziehen geneigt sind."
Hannah Höch (1889 - 1978)


Am 1. November 1889 wird Johanna Höch in Gotha als ältestes von fünf Kindern eines Versicherungs-Direktors geboren. Nach ihrem Studium an der Staatlichen Lehranstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin avanciert Hannah Höch unter den Berliner Dadaisten zur Collage-KÜnstlerin. Ihr Verdienst ist es, die Ausdrucksmittel des Dadaismus, Collage und Fotomontage, bis zu letzt in ihrem künstlerischen Schaffen weitergeführt und präzisiert zu haben.

Gesprengte Einheit 1955

Neben Kurt Schwitters verdanke ich ihr viele Anregungen und Impulse für meine Arbeiten.

Siehe auch meine Posts vom 08.01.07, 29.05./28.06.07

5. November 2009

Kapitulation vor Chinas Bauwahnsinn

Die Stadtplanung der Zukunft ist das Thema der Konferenz "Future City - Future Bauhaus", die ab heute im Audimax und Oberlichtsaal der Bauhaus Universität Weimar tagt. U.a. sollen Chancen und Risiken asiatischer und amerikanischer Megacities diskutiert werden. Dazu passt folgende Meldung:

Die diesjährige Konferenz des "International Seminar of Urban Form", einer weltumspannenden Organisation zur Erforschung des Stadtwandels, fand in Kanton (Guangzhou) statt, einer der am schnellsten wachsenden Städte Chinas. Kanton ist Teil der südostchinesischen Metropolregion und damit mit Shenzen Bestandteil einer der weltweit dynamischsten Industriezentren. Allerdings mit der Folge von Lärm, Enge, Smog und subtropischer Hitze sowie sozialer Verwerfungen wie Kriminalität und Prostitution.

Für Liebhaber europäischer Stadtbaukunst sind Hongkong, Shenzen und Shanghai Horrormetropolen: ausschließlich vertikales Wachsen mangels Platz, Einzelbauten gehen in der Masse der Hochhäuser unter, Mangel an öffentlichem Raum, Verkehrsplanung erst in Ansätzen. Es gibt jedoch momentan keine ökologisch vertretbare Alternative zu Höhendrang und Verdichtung. Rezepte hierfür kann das alte Europa nicht anbieten. Das ist wohl das Ergebnis der vorgenannten Konferenz. Wie bescheiden machen sich da unsere Probleme der Stadtentwicklung aus!

Kandinsky in Jena

Vom 6. September bis 22. November 2009 präsentieren die Kunstsammlungen Jena im Stadtmuseum eine beachtenswerte Ausstellung "Punkt und Linie zur Fläche - Kandinsky am Bauhaus" mit Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafik.
Wassily Kandinsky (1866 -1944), einer der wichtigsten Vertreter der abstrakten Malerei, wurde erst 1922
durch Walter Gropius an das Bauhaus Weimar als Formmeister für Wandmalerei und Lehrer im Vorkurs berufen. In kurzer Zeit wurde er zu einem der wichtigsten und innovativsten Lehrer am Bauhaus.

Seine Kontakte zu Jenaer Bürgern, insbesondere dem Jenaer Kunstverein, pflegte Kandinsky während seiner Bauhausjahre 1922 bis 1933 (auch nach dem Weggang des Bauhauses aus Weimar) rege und intensiv; seine Werke wurden in Jena in sechs Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und teilweise für die Sammlung des Kunstvereins gesichert. Exemplarisch dargestellt wird in der Ausstellung die Beziehung zu dem Künstler und Kunsthistoriker Walter Dexel, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband.

Drei Grafiken aus der Mappe "Kleine Welten", die in der Ausstellung komplett gezeigt wird.

Für unseren Ausstellungsbesuch am 3. November mussten wir Jena zweimal anfahren, da wir die Öffnungszeiten am Donnerstag von 14.00 bis 22.00 Uhr nicht beachtet hatten. Normalerweise ist von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, nur Donnerstag nicht! Bitte beachten!

1. November 2009

Neue Collage der Postkartenserie

Hier ist wieder eine neue Karte aus der Postkartenserie, entstanden vom 31.10. zum 01.11.2009:

Symposium zur Baukultur in Bad Langensalza

Ein zweitägiges Symposium mit ca. 80 Architekten, Historikern, Ingenieuren, Stadtplanern und Kommunalpolitikern fand Ende Oktober 2009 in Bad Langensalza statt, organisiert vom Europäischen Informations-Zentrum in der Thüringer Staatskanzlei. Unter dem Motto "90 Jahre Bauhaus - neue Herausforderungen durch die Europäische Energiepolitik" wurden die Erfordernisse des energieeffizienten und ökologischen Bauens und Sanierens in der Stadtgestaltung und an Beispielen historischer Altstadtkerne diskutiert. Bad Langensalza ist ein Beispiel gelungener Altstadtsanierung bei Einbeziehung des modernen Bauens. Wesentlichen Antel am Erfolg trägt dabei der Bürgermeister Bernhard Schönau, der (seit 1994 im Amt) die Stadtentwicklung mit bestimmt.

Nun kann man Städte wie Bad Langensalza und Speyer sicher nicht ohne weiteres miteinander vergleichen; aber den Einfluss von Bürgermeistern auf die Entwicklung ihrer Städte sehr wohl. Nach einem in der FAZ vom 28.Oktober 2009 veröffentlichtem Artikel hat der 2010 scheidende Oberbürgermeister Speyers, Werner Schineller, als Abschiedsgeschenk die Rheinpromenade der Stadt als Filetstück von 12 Hektar an drei Investoren verkauft - die Projektgesellschaft der LBBW Stuttgart Rhein-Neckar Wohnwerte, R & N Kurpfalz Immobilien Speyer und die Steber Wohnbau GmbH Speyer, welche dieses Gelände mit einer "exclusiven" Wohnbebauung vermarkten; Teile davon stehen bereits und verdecken mit ihrer nichtssagenden und banalen Architektur den Blick auf den Dom, der seit 1981 zum UNESCO-Welt-Kulturerbe zählt. Sogar ein ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet hat der städtische Bau- und Planungsausschuss - einer der Investoren ist dessen Mitglied - außer Kraft gestzt, um die Bebauung eines 37.000 m² großen Geländes vierhundert Meter längs des Rheins mit sechsgeschossigen Punkthäusern als "Neue Heimat für Manager und Rentner" zu ermöglichen.

Foto: Archiv Striffler aus FAZ

Soweit über den unheilvollen Einfluss von Bürgermeistern/Oberbürgermeistern auf die Stadtentwicklung, wenn wirtschaftliche Interessen dominieren und kein bürgerschaftliches Gegengewicht besteht. Wir benötigen echte Bürgerlichkeit, die es mit der Dummheit und Unverfrorenheit der Macht aufnimmt.

28. Oktober 2009

Farbe im Garten

Und wieder bringt der Herbst bei unseren Ahornen wunderbare Farbe in den Garten: Hier ein neugepflanzter Acer palmatus `Shishigashira`im zweiten Jahr vor der Kulisse hoher Gräser Calamagrostis x acutiflora `Stricta`- übrigens das einzige Gras, das aufrechtstehend den Winter überdauert.

Auch die Schlitzahorne zeigen Farbe und der ganze Garten bekommt sein Herbstkleid.

Und hier noch ein Tip für Gräserfreunde: Ein großes und reichhaltiges Gräserangebot findet man bei
E. Koch Staudenkulturen Erfurt, Im kleinen Feld 8, 99094 Erfurt an der Straße zwischen Bischleben und Möbisburg. Tel.: 0361 - 7968206. Öffnungszeiten: März - Oktober.

27. Oktober 2009

Neue Collagen:

Karte Nr. 7:In den letzten Tagen entstanden zwei neue Collagen: eine Fortsetzung der Postkartenserie - Nr. 7 und eine etwas größerformatige Collage, bei der ich ein bereits angefangenes Grundmotiv vom 08.10.2000 verwendet habe, also neun Jahre alt:

26. Oktober 2009

Zum 3. Mal "Jazz in memoriam Anna Amalia"

Am Sonnabend, dem 24. Januar 2009 waren, wie bereits angekündigt, die Musiker des Bernhard-Auge-Trios aus Bielefeld zum wiederholten Mal in Sachen Benefiz-Auktion "Jazz in memoriam Anna Amalia" in Weimar unterwegs. Wie immer in Christine Klostermann`s "Ilmschlösschen", diesmal vor ausverkauftem Haus. Wir (S. und ich) bekamen mit Mühe und Not noch ein Plätzchen am "Katzentisch" ganz vorn. Dafür fand sich ein lieber Gast ein: Birgid Holfeld, unsere legendäre Sängerin der "bs-combo" aus den 60er Jahren. Sie war nach einer Karriere in Funk und Fernsehen der DDR zuletzt im Institut für Schulmusik und Kirchenmusik der Hochschule für Musik Franz Liszt als Sprecherzieherin tätig und wir haben natürlich von alten Zeiten geplauscht, gemeinsam mit einem weiteren früheren Mitspieler, "Coli" Gentemann - Schlagzeuger - inzwischen auch Rentner, der im übrigen früher auch mit Bernhard Auge gespielt hat.

Birgid Holfeld
Das Berhard-Auge-Jazz-Trio hatte diesmal anstelle von Capo Meyer einen neuen Bassisten mit: Joachim Fitzon, der aber nicht weniger tolle Soli zeigte. Hier ist die diesjährige Besetzung:

Bandleader Bernhard Auge (p, org)Joachim Fitzon (b)Kenny Stewart (dr)Und hier die ganze Band:

Einen ganz großen Wurf tätigte Bernhard mit den Jazz-Adaptionen von vier Bach-Stücken, die beim gesamten Publikum ganz toll ankamen. Besonderen Eindruck hinterließ bei mir seine Version des "Erbarme Dich" aus der Matthäas-Passion.

Dann freuen wir uns also schon auf das Konzert 2010; dann wäre aber bei dem inzwischen entstandenen Publikumsandrang rechtzeitiges Erscheinen Voraussetzung für einen guten Platz.

ATTAC-Gruppe Weimar

In meinem Blogeintrag vom 08. Oktober 2009 habe ich über den Termin 06. Oktober für die Neugründung der ATTAC-Gruppe Weimar im ACC geschrieben. Offensichtlich ist diese Neugründung jetzt offiziell erfolgt: Heute meldet die TLZ die erfolgreiche Neugründung mit 15 Engagierten aller Altersklassen.
Die TLZ schreibt:
"Man wolle zurückfinden zu einem`faszinierenden`Gruppenleben und hofft, sich mit alternativen Ideen und Vorschlägen in die öffentliche Diskussion einbringen zu können."

Die Mitglieder der ATTAC-Gruppe rufen auf:
"Lasst den positiven Anfangsschwung nicht verpuffen, dann können wir das politische Weimar mitgestalten und weit darüber hinaus etwas verbessern!".
Dazu wünsche ich Erfolg und Stehvermögen.

Kontakt: attac-jena-weimar@web.de